Studien

„Wir machen mit bei der Erforschung der ADHS“

Projekt zur Erforschung der Genetik von Aufmerksamkeitsproblemen bei Kindern und Jugendlichen

In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsklinik Marburg (Direktorin: Prof. Katja Becker) gibt es seit vielen Jahren eine Spezialambulanz für Aufmerksamkeitsstörungen. Die sogenannte Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) und die Aufmerksamkeitsstörungen ohne Hyperaktivität (ADS) gehören beide zu den Störungen der neuronalen Entwicklung. Die Kernsymptome sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Wir wissen aber, dass Aufmerksamkeitsstörungen bei unterschiedlichen Menschen ganz unterschiedlich aussehen und verlaufen können. Gerade Kinder mit ADS, auch „Träumer“ genannt, werden nicht frühzeitig erkannt und behandelt, haben aber in der Schule Schwierigkeiten beim Lernen.

Die Entstehung von Aufmerksamkeitsstörungen ist nach allem was wir wissen multifaktoriell, d.h. es gibt nicht nur eine Ursache. Genetische Faktoren spielen aber wahrscheinlich eine große Rolle. Daher haben Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen häufig noch andere Verwandte, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben wie sie. Dennoch gibt es nicht ein Gen, das die Störung auslöst. In den letzten Jahren haben sogenannte Genomweite Assoziationsanalysen (GWAS) mit sehr vielen betroffenen Personen gezeigt, dass mehrere sogenannte Allele mit Aufmerksamkeitsstörungen in Zusammenhang stehen. Wahrscheinlich tragen eine sehr große Anzahl von genetischen Eigenschaften zur Entstehung von Aufmerksamkeitsstörungen bei. Bisher können wir anhand dieser Befunde jedoch noch keine Rückschlüsse auf Ausprägung und Verlauf von Aufmerksamkeitsstörungen ziehen.

Um diese Wissenslücke zu schließen, haben die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Marburg und das Zentrum für Humangenetik der Philipps Universität Marburg (Leiter: Prof. Johannes Schumacher) ein Projekt entwickelt. Mit einer Studie soll untersucht werden, ob es genetisch begründete Gruppen von ADHS/ADS gibt und wie sie charakterisiert sind. Dazu werden die Ergebnisse aus den genomweiten Analysen (GWAS) genutzt. Wenn durch das Projekt unterscheidbare Gruppen gefunden werden, kann das die (frühzeitige) Auswahl der geeigneten Behandlung für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsstörungen eventuell verbessern. Kinder- und Jugendliche, die am ersten Teil der Studie teilnehmen wollen, müssen eine Speichelprobe abgeben. Das geht ganz einfach durch Spucken in ein kleines Röhrchen mit Trichter. Für den zweiten Teil der Studie werden einige Kinder- und Jugendliche mit ihren Eltern in die Universitätsklinik eingeladen.

Die Teilnahme ist für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren möglich, bei denen eine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS) oder eine Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ADS) festgestellt wurde. Es spielt keine Rolle, ob sie sich deswegen in einer Behandlung befinden. Bei Interesse können sich die Familien bei dem Studienverantwortlichen Dr. Bastian Schrott melden und von ihm weitere Informationen erhalten. Die Materialien für die Speichelprobe werden per Post zu den Familien geschickt, sodass keine Anreise in die Universitätsklinik notwendig ist. Mit den Eltern wird ein kurzes Interview am Telefon durchgeführt, das nicht länger als 10 Minuten dauert. Wenn eine Familie für den zweiten Teil der Studie eingeladen wird, können sowohl die Kinder bzw. Jugendlichen, als auch ihre Eltern erneut überlegen, ob sie teilnehmen möchten.

Informationen erhalten die Familien von Herrn Dr. Bastian Schrott,
Tel. Nummer 06421-5866469 oder E-Mail an schrott@med.uni-marburg.de  

Flyer

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