Für Eltern, Pädagogen und Therapeuten

Dieter Krowatschek, Gordon Wingert, Gita Krowatschek

Soziales Lernen - pur!

Beliebte Übungen für die Arbeit mit Gruppen

ISBN 13-978-3938187722
Verlag: Borgmann Media, 3. Auflage (2016)
Preis: 18,80 €

„Diskutier‘ keine Probleme mit mir, nenne mir Lösungen!“

Ein Buch für alle, die sich in pädagogischer Arbeit in Schule, Training und Therapie mit Kindern und Jugendlichen „bewegen“. Ein Buch für all jene, die einen Blick über das Normale hinauswerfen möchten, um Chancen zu geben und Motivation zu etablieren.

Das Buch vermittelt sowohl Grundlagenwissen zu heute erkannter Problematik von sozialem Lernen, sozial-emotional, deviantem Verhalten und zu Themen von Bedürfnissen,  Selbstwert, Bewältigung von Situationen und Eigenreflexion.

Die Lektüre bietet hier nicht nur ein Aufzeigen und Erklären von vorliegenden Problemlösungen, sondern auch  in der Praxis erprobte Übungen. Hier in Anlehnung an das Marburger Konzentrations- und Verhaltenstraining.

Das Buch setzt drei Akzente. In der Einleitung gehen die Autoren auf gegenwärtige Problemstellungen in der Schule ein. Welchen Aufgaben müssen sich Lehrkräfte und Schulpersonal in der heutigen Gesellschaft stellen? Welche Arbeitssituationen sind vorzufinden und wie wirken sie auf die Umsetzung von Lerninhalten? Wie definiert und verändert sich der Begriff „Soziales Lernen“, der immer mehr an Bedeutung gewinnt, aus Eltern- und Lehrersicht?

Über 30 Jahre hat sich Dieter Krowatschek als Lehrer und Schulpsychologe mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt, die in ihren Schulklassen stetig mit unangepasstem Verhalten für stetige Unruhe sorgten.  In seiner Arbeit entfernte er sich von konventioneller Schuldzuweisung und erarbeitete Ansätze zu Ursachenforschung und Lösungsstrategien. So richtete er den Blick nicht auf fehlende soziale Fähigkeiten, sondern auf Stärken und Ressourcen der Kinder und Jugendlichen. Lösungsorientierung fokussiert auf Materialien und Handwerkszeug, zielgerichtet motivierend und umsetzbar.  Positive Seiten von Schülern werden  zu oft nicht beachtet und geraten zusehends in Vergessenheit. Aus der Arbeit Stärken zu erkennen und für den Schüler und dessen Klasse zu nutzen, entstand das Marburger Training. Letzteres beinhaltet nicht nur Lernformen für Schüler, sondern auch das Aufzeigen von Arbeitsweisen für Lehrkräfte. Anhand von Beispielen werden einige Lernsituationen im Buch dargestellt, Erfolg bringende Vorgehensweisen aufgezeigt. Oftmals genügt eine Umstellung der Formulierung, ein Unterbrechen der Klassendynamik, ein Verzicht auf das, was erwartet wird.

Eine Vielzahl von Übungen, einem Gesamtkonzept untergeordnet, ermöglicht sowohl kontinuierliche Arbeitsbegleitung und Supervision, als auch Erarbeitung von Methodik und Strategie. Eine umfangreiche Materialsammlung präsentiert pädagogisches Werkzeug, in der Praxis erprobte Anleitungen und Handlungsmodelle.

Steigende Vorfälle in Schulen fordern immer höhere Ansprüche an situativem Handeln der Lehrkräfte. Deutliche Schuldzuweisungen sind oft weder möglich noch pädagogisch sinnvoll. Soziales Lernen wird in der Gegenwart dem Wissenserwerb gewichtig gleichgestellt. Zu den im Buch aufgezeigten Basiskompetenzen des Schulalltags gehören Ich-Kompetenzen, soziale Kompetenzen, Sachkompetenzen und lernmethodische Kompetenzen. Dass Leistung hier auf der Gesamtheit der Dinge beruht, muss nicht erklärt werden. In der gegenseitigen Wirkung von Gesellschaftsnormen und Leistungsdenken sind alle Beteiligten überfordert. Das Buch beschäftigt sich hier vorbildlich – einfach formuliert- mit dem Abbau täglicher, pädagogischer Baustellen, Minderung von Eskalation, Förderung von Motivation, Gruppenverständnis und Aufbau von Selbstwert und Aggressionskontrolle.

Übungen und Aufgaben müssen im Alltag funktionieren, für Kinder und Jugendliche geeignet sein und vor allem Spaß machen. „Catch them being good“ sagen die Engländer (Vgl. Krowatschek, Wingert, Krowatschek, 2012,19).

Um Motivation zu erzeugen benötigt man eine angstfreie Atmosphäre, spielerische Vorgehensweisen, einen hohen Aufforderungscharakter und Regelverständnis.

Der zweite Teil des Buches beschreibt bewährte Methoden, die aus der Verhaltensmodifikation kommen. Sie dienen dazu, konstruktives Arbeiten zu ermöglichen, soziales Lernen zu praktizieren. Sie helfen Rahmenbedingungen zu schaffen und innerhalb der Gruppe Strukturen zu halten. Die meisten Methoden greifen auf Stärken der Kinder zu und trainieren positives Verhalten. Problemverhalten wird dadurch verringert. Nur die Time-out- Methode geht direkt auf Störverhalten ein. Die Autoren beschreiben anhand unterschiedlicher Beispiele sehr detailliert Vorbereitung und Durchführung methodischer Handlungsweisen. Ebenso wird auf Fehlleitungen verwiesen. So führen beispielsweise Ermahnungen eher zur Verstärkung des unerwünschten Verhaltens durch die Zugabe von Aufmerksamkeit. Dies nach Marshall b. Rosenberg, wann habe ich Recht und womit komme ich weiter. Psychologie sagt: Ein Verhalten, dem man Aufmerksamkeit schenkt, wird in der Regel wiederholt. ( Vgl. Soziales Lernen 2012, 22). Das gilt leider auch für negative Aufmerksamkeit. Ein vermehrtes Einsetzen hingegen, von Lob, Punkteplänen und Ersatzverstärker dienen dem Anreiz von Motivation.

Der dritte Teil des Buches nimmt den größten Part des Inhaltes ein. Er beschäftigt sich mit der Vorstellung der Übungen. Vorab wird dem Leser eine Aufstellung der benötigten Materialien mit auf den Weg gegeben.  Ebenso sind die Top-Ten Spiele in einer Liste aufgeführt. Alle Übungen werden sehr detailliert erklärt.

Die Autoren bedienen sich mit recht folgender Aussage: Spielen ist eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.

Die Spielbeschreibungen sind gegliedert in „fördert“, „Beschreibung“, „Varianten“, „Auswertung“ und „Hinweise“.  Visuelle Hinweise erfährt der Leser durch schwarz-weiß Fotografien und Zeichnungen. Die Spielideen sind übersichtlich angeordnet, beschreibend für welche Altersgruppe die jeweilige Übung geeignet, bedingt geeignet oder ungeeignet ist. Unter einer Art Kopfzeile steht der Titel der Übung als jeweilige Überschrift. Unterhalb dieser Headline findet man Angaben zu Alter, Anzahl der Spieler, Dauer des Spiels und benötigte Materialien und in welchem Förderbereich die Übung anzusiedeln ist. ( Zusammenarbeit, Konzentration, Kreativität, Kontaktverhalten, Regellernen und vieles mehr). Die Anzahl der Spieler ist benannt oder beliebig. In vielen kreativen Übungen werden innerhalb des Gruppengeschehens eigene Arbeiten angefertigt.

Eine weitere Bereicherung sind Bildtafeln, visuelle Anleitungen, Gefühlskarten, Beispiele für Punkte- und Tokenpläne.  Das Buch gibt einen Einblick in die langjährige Arbeit von Dieter Krowatschek. Ein hilfreiches Repertoire für jeden, der mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. In einer praxisorientierten Weise werden Umsetzungsmöglichkeiten zum Erkennen von sozialen Fertigkeiten, Beachtung im Umgang mit Aggression, Schulung von Eigen- und Fremdwahrnehmung, Entwicklung empathischen Verhaltens und Förderung von  Emotionalität beschrieben und begleitet.

In einer gut sortierten Literaturliste gibt es Hinweise zu weiteren Ressourcen orientierten Arbeitsbüchern und zu  Literatur der Autoren, die nach langjähriger Mitgestaltung des Konzeptes von Dieter Krowatschek dessen Lebenswerk im Rahmen des  Marburger Konzentrations- und Verhaltenstrainings fortführen. Hier zusätzlich aus Erfahrungen der eigenen Arbeit in Schulpsychologie und in Themen zu Konzentration, Gewalt bei Kindern und Jugendlichen und Kriseninterventionen an Schulen, schöpfen können.

 Als Reittherapeutin und Therapiebegleithundeführerin ist es mir außerdem ein besonderes Anliegen auf folgende Bücher von Dieter Krowatschek zu verweisen:

Tiere machen Kinder starkKinder brauchen Tiere und Geschichten einer Border-Collie-Hündin: Geschichten mit Fly und Die Fly reist um die Welt.

 

Dipl. Des. Astrid Bojko-Mühr

aus neue AKZENTE 107, 2/2017

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