Medien und Sonstiges

Andreas Hüging

Let’s disco

Die schwer verrückte Geschichte von Valentin Plau

ISBN 13-978- 3-764170752
Verlag: Ueberreuter Verlag, 1. Auflage, 2017
Preis: 12,95 €

Andreas Hüging ist Musiker und Kinder- und Jugendbuchautor. Er ist im Münsterland aufgewachsen und wohnt mittlerweile in Berlin.

Die Tücken des Nicknames. Sie mögen sich eigentlich nicht besonders, Stulle, Tochter des Bürgermeistes von Brüllach und Valentin, Spross einigermaßen exzentrischer Eltern. Aber in der großen Sternschnuppennacht lernen sie sich im Chat kennen – unter ihren Spitznamen.

Dabei haben die beiden nicht nur ein gemeinsames astrologisches Interesse. Sie verbindet auch der Umstand, dass sie viel Gewicht mit sich herumschleppen. Nichts hat geholfen, keine Diät und auch kein Sommercamp für mopsige Teenager. Dick und dünnhäutig versuchen sie klar zu kommen, ebenfalls mit mäßigem Erfolg. Zu maximalen Feindseligkeiten aber kommt es, als sie (im realen Leben) mit den Fahrrädern zusammenstoßen. Zwar hat keiner Schuld, aber jeder gibt sie dem anderen. Das Ganze wird natürlich sofort dem geheimnisvollen Chatfreund mitgeteilt. Obendrein mit Kribbeln im Bauch.

Der Abgang über den Lenker hat bei Valentin allerdings eine unvorhersehbare Folge. Der kräftige Wumms auf den Kopf verändert ihn. Spinnen, vor denen er sich bisher fürchtete, machen ihm keine Angst mehr. Überhaupt hat er keine Lust mehr, ein dickes Opfer abzugeben und sich selbst von der eingebildeten Tochter des Bürgermeisters abkanzeln zu lassen. Als er schließlich eine abgefahrene Videoaufzeichnung seines Vaters als 70er-Jahre-Tanzbodenkönig im Disco-Outfit sieht, fahren ihm die Rhythmen in die Glieder. Tanzen, das ist es! Denn Valentin hat von seinem Vater mehr geerbt, als nur das Schwergewicht. Er lässt sich die Haare auftoupieren, zwängt sich in Paps Polyesterkostüm, übt ein paar rasante Moves und greift zur Handykamera – kurzum: Als ValP wird er YouTube-Star. Es ist ihm egal, ob die Leute ihn cool finden oder über ihn lachen. Valentin will keine Angst mehr vor der Angst haben. Am Ende holt ihn die Wirklichkeit doch ein. Was aber, so viel sei gesagt, gar nicht schlecht ist. Denn die Liebe tut das eben auch.

Andreas Hüging hat ein sehr flott geschriebenes, unterhaltsames Buch mit einer Riesenportion Augenzwinkern geschrieben. Es geht ihm nicht darum, die Realität zweier Teenager 1:1 abzubilden, die mit Pfunden, Vorurteilen und Selbstbewusstsein ringen - gerade das macht das Buch lesbar. Die Botschaft der Geschichte lautet, keine Angst mehr vor der Angst zu haben und gegen die Angst etwas einzusetzen.

Warum ist das Buch für Jugendliche mit ADHS lesenswert? Weil sie auch oft mit angezogener Handbremse leben. Wenn jemand anders ist, bedeutet das noch nicht, dass er falsch ist. Und es bedeutet erst recht nicht, dass er, weil er sich nicht nach der Decke strecken kann, sich unter ihr verstecken muss. Mut gehört natürlich dazu, ein „Ich“ zu sein. Valentin ist es egal, dass er im väterlichen Disco-Kostüm aussieht wie eine Glamour-Presswurst. Wichtiger ist ihm, dass er sein Ding macht und für ihn heißt das „Let’s disco!“

Uwe Metz

aus neue AKZENTE 110, 2/2018

 

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