Medien und Sonstiges

Anne Heintze, Ananda H. Hummer

Die Gabe der Empathen

Wie du dein Mitgefühl steuerst und dich und andere stärkst

ISBN 13-978-3868829174
Verlag: mvg Verlag, 1. Auflage (2018)
Preis: 16,99 €

Empathie ist das Mitgefühl für andere Menschen, im Gegensatz zu Selbstempathie, was das Mitgefühl für sich selbst bedeutet.

Die Autorin schreibt, dass etwa 10 % der Menschen Empathen seien und etwa 2 % Hochempathen. Empathie ist die Fähigkeit die emotionale Verfassung einer anderen Person durch Mitempfinden zu verstehen. Empathen zeichneten sich dadurch aus, dass sie einen tiefen Wunsch haben Gutes zu tun und sich Harmonie wünschen. Es gehe ihnen gut, wenn ihre Mitmenschen glücklich seien. Empathen werden als gute Streitschlichter beschrieben, als sensible Menschen, die dünnhäutig und empfindsam seien. Deshalb sind sie besonders in sozialen Berufen und als Schriftsteller anzutreffen.

Die Autorin unterscheidet zwischen Mitleid, was als Haltung Hoffnungslosigkeit erzeuge und Mitgefühl. Mitgefühl bedeute zu verstehen, ohne zu urteilen. Aus Mitgefühl entstehe Gemeinschaft und deshalb seien Menschen mit Mitgefühl in sozialen Gemeinschaften sehr wichtig.

Glück entstehe zunächst im Kopf. Es sind die Gedanken und Wertungen eines Gefühls, die eine Lebenshaltung erzeugen und mit denen jeder Einzelne sein Leben entwirft. Es komme nicht so sehr darauf an, was wir erleben, sondern wie wir das Erlebte bewerten und verarbeiten.

Jede Veränderung brauche zunächst Bewusstsein, dann eine Idee und dann eine Entscheidung. Daniel Goldmann beschrieb schon vor Jahrzehnten das Konstrukt der emotionalen Intelligenz, womit die Fähigkeit gemeint ist, dass das Individuum einen Konflikt lösen kann und in der Lage ist, anderen Menschen zuzuhören und deren Gestik, Mimik und auch die nonverbalen Signale richtig zu deuten. Emotionale Intelligenz bedeutet auch diese Botschaften richtig auszuwerten und klug zu handeln.

Menschen mit Empathie nehmen mehr wahr als andere und sind anderseits auch empfindlicher für Geräusche und Störfaktoren. Das kann auch belastend sein. Die Auslenkbarkeit durch Störfaktoren kann die Lebensqualität sehr beeinträchtigen. Empathen müssen lernen, Wirklichkeit als die persönliche Auslegung des Wahrgenommenen zu sehen. Wenn Empathen durch Geräusche etc. schnell gestresst sind, müssen sie sich verdeutlichen, dass es darauf ankommt, dass sie selbst lernen mit diesen Erfahrungen umzugehen. Dabei hat grundsätzlich jeder Mensch die Wahl sich nerven zu lassen oder aber dem Geräusch keine Bedeutung zu geben.

Manche Empathen hätten auch einen 6. Sinn. Gemeint ist hier eine Hellfühligkeit bis hin zur Hellsichtigkeit.

Das Ziel für Empathen sei es, eine gelöste Empathie anzustreben. Damit ist gemeint, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen, eine gute Körperwahrnehmung zu entwickeln, offen für Neue zu sein, gut zuhören zu können und keine Vorurteile zu haben. Empathen sollten darauf achten Reizüberflutung zu vermeiden und negative Nachrichten oder Filme möglichst nicht zu konsumieren. Sie sollten erspüren, wenn jemand lügt und sie sollten lernen sich abzugrenzen. Die Schwäche der Empathen sei, dass sie durch ihre große Sensitivität dazu neigen, sich die Probleme anderer zu eigen zu machen und sich verstricken zu lassen. Hier laufen sie insbesondere Gefahr, sich von Narzissten ausbeuten zu lassen, weil diese ein feines Gespür dafür hätten, dass der Empath den Frieden sucht und seine Einfühlsamkeit schnell für die egoistischen Zwecke des Narzissten missbraucht werden können. Diese Art von Beziehungen nennt die Autorin toxische Beziehungen (vergiftete Beziehungen).

Der Empath müsse aufpassen, dass er sich selbst nicht vernachlässigt. Empathie sei ein zweischneidiges Schwert, welche sowohl Glück, aber auch Leid erschaffen kann. Der Empath muss lernen zu akzeptieren, dass er sensibler und verletzlicher sei als andere Menschen und er sich deshalb auch besser schützen müsse.

Den Empathen stellt die Autorin die Alexithymen gegenüber. Diese seien gefühlsblind und hätten keinen Zugang zu ihren Gefühlen.

Hier ist anzumerken, dass Alexithymie ein altes Konstrukt ist, das heute zugunsten anderer Erklärungsmodelle an Relevanz verloren hat. Hier gibt es große Überschneidungen mit dem Autismus.

Die Autorin führt weiter aus, dass Empathen aus der Fürsorge für andere auch in die Selbstfürsorge kommen sollten. Es sei wichtig die Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und das Ruder in der Hand zu halten. Hier gilt es die eigenen Grundbedürfnisse zu achten, sich Auszeiten zu gönnen, die Weisheit des eigenen Körpers zu nutzen und die eigene Hilflosigkeit anzuerkennen. Jeder Mensch kreiere seine eigene Realität. Positiv denken bedeute in diesem Zusammenhang, dass man dem Negativen keine Macht geben sollte.

Dieses Buch streift ganz viele Themen, die nur sehr oberflächlich angerissen werden. Grundsätzlich gelten die Ausführungen nicht nur für Empathen, sondern für alle Menschen. Die Menschheit hat sich in ihrer Vielfältigkeit entwickelt. Es gibt viele Normvarianten, die in ihrer Unterschiedlichkeit zu unterschiedlichen Zeiten ihre Stärken und Schwächen entwickeln. Die Empathen -  oder früher hat man einfacher gesagt die Empfindsamen - haben ihre Stärken im emotionalen und kommunikativen Bereich und müssen lernen sich ausreichend abzugrenzen und sich dann zur Wehr zu setzen, wenn ihre Bedürfnisse und Interessen von anderen übergangen werden. Die analytischen und weniger emotionalen Menschen haben ihre Stärke in ihrer Unbeirrbarkeit und ihrem analytischen Denken und sie tun sich schwer damit, sich in andere hineinzudenken und die verbale und nonverbale Kommunikation ihrer Mitmenschen zu erfassen. Wir kommen damit auf die Welt und ich persönlich glaube, dass jeder das ihm Fehlende im Leben lernen muss und dass es darum geht, sich dem eigenen Licht und dem eigenen Schatten anzunehmen und auch dem der anderen Menschen. Warum bedarf es da neuer Kategorien? Ich halte die Kategorisierung von Empathen für verzichtbar und denke, dass in diesem Buch ansonsten bereits bekanntes Wissen in neue Schläuche gepackt wurde.

Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz

aus neue AKZENTE 111, 3/2018

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