Direkt zum Inhalt

Sam kann nicht schlafen

Ein Buch für Kinder, die Angst vor Krieg haben

Image
Sam kann nicht schlafen
Charlotte Eulitz, Sabrin Mizerski-Lösch, Justin Triller, Philip Voigt
Verlag
Hogrefe Verlag, 1. Auflage (2025)
ISBN-Nummer
978-3-456-86423-5
Preis
20,00 € (E-Book: € 16,99)

Kriegsangst bei Kindern

Sie sind allgegenwärtig – Bilder, Filme und Berichte über Krieg. Die Ukraine und der Gaza-Streifen bilden ja nur die Spitze des Eisbergs. Rund 20 Kriege gibt es aktuell weltweit und außerdem mehrere hundert Konflikte, in denen immer wieder Waffen eingesetzt werden. Ob wir es wollen oder nicht, unsere Kinder bekommen ständig etwas zu diesem Thema mit. Wie können wir mit ihren Fragen und Ängsten umgehen? Seit acht Jahren gibt der renommierte Hogrefe-Verlag die Reihe „Psychologische Kinderbücher“ heraus. Ganz neu darin ist der Titel „Sam kann nicht schlafen. Ein Buch für Kinder, die Angst vor Krieg haben“ *). Es ist genau richtig für unsere Kleinen, ob gegen Ende der Kita-Jahre oder im Grundschul-Alter.

Die mit wunderbaren Bildern veranschaulichte Geschichte ist ganz einfach: Sam lebt in einer Familie mit zwei Müttern, Mama und Mami. Beim Familien-Sommerfest werden Kriegsnachrichten im TV wahrgenommen und verhindern das geplante Spielen im großen Kreis. Doch Sam versteht nicht, um was es da geht. In der Schule wissen einige Kinder Bescheid, aber wollen in der Pause lieber spielen. Als er nach Hause kommt, gibt auch seine große Schwester keine Antworten, weil er zu jung sei, wie sie meint. Seine Verzweiflung wird immer größer. Am Abend fragt er seine Mama, aber die vertröstet ihn auf den nächsten Tag. Nach einer Nacht im Bett seiner Mütter und Tränen am Morgen setzen sich die beiden Frauen nach der Schule endlich mit ihm zusammen und reden über all seine Fragen. Daraus ergibt sich dann Sams Idee, Hilfspakete für den Schulstart von Flüchtlingskindern nach den Sommerferien zu packen.

Diese kurze Geschichte (27 Seiten) ist für Kinder leicht nachvollziehbar. Die großartig gemalten Bilder lassen kleine Leserinnen und Leser die Handlung und auch die Stimmungen der beteiligten Personen gut nachvollziehen. Trotzdem werden natürlich nicht alle Kinderfragen zum Thema „Krieg“ beantwortet, aber dafür gibt es ja die 14 Folgeseiten „Mach mit! – Übungen für dich“. Die kann man sich auch von der angegebenen Website herunterladen, um das Buch zu schonen. Sie nennen Internetadressen, bei denen Kinder für sie geeignete Texte, Videos oder Podcasts zum Thema finden, aber vermitteln auch Tipps, wie man allgemein mit solch schlechten Nachrichten umgehen kann. Eine „Schatzkarte der Glücksmomente“ oder kleine Körperübungen zum Abbau von Spannungen helfen, schlechte Nachrichten zu verkraften. Und schließlich bieten Tipps für den Alltag Anregungen, um betroffenen Flüchtlingskindern ganz konkret zu helfen und Gemeinschaftsaktionen zu unterstützen.

Weitere sechs Seiten mit Informationen für Erwachsene zeigen auf, warum Kinder Angst vor Krieg haben und wie sich der Teufelskreis ihrer Angst darstellt, aber auch, was man ganz konkret für sie tun kann. Damit folgt der Aufbau des Buches dem Konzept, das der ganzen Reihe zugrunde liegt, denn die „Psychologische(n) Kinderbücher“ wollen nicht einfach nur unterhalten wie andere Bilderbücher, sondern sie bieten Lebenshilfe: für die Kinder, denen mit ihren Fragen weitergeholfen wird, und für die Erwachsenen, die mit den Fragen der Kinder konfrontiert sind. Die Autorinnen und Autoren sind keine Schreibprofis, sondern Studierende, was die Bücher besonders authentisch macht. Ob Eltern, Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrkräfte, sie alle profitieren enorm von diesem Konzept, und im Fall von „Sam kann nicht schlafen“ hilft uns das Buch zudem vielleicht auch über eigene Kriegsängste hinweg.

Dipl.-Päd. Detlef Träbert