Workbook für Frauen
Hilfreiche Strategien und praktische Übungen, um negative Glaubenssätze abzulegen und selbstbestimmt zu leben
Neugierig gemacht hat mich der Untertitel des Buchs „Workbook für Frauen“. Hilfreiche
Strategien und praktische Übungen? Negative Glaubenssätze ablegen, um selbstbestimmt zu leben? Hört sich spannend an. Was heißt das genau?
Zwei Amerikanerinnen haben sich hier zusammengetan. Sari Solden ist Psychotherapeutin und behandelt seit Jahrzehnten Erwachsene mit ADHS. Sie hat darüber bekannte Bücher veröffentlicht. Michelle Frank ist eine klinische Psychologin, die mit Verhaltenstherapie und psychoedukativen Methoden arbeitet, wobei die neuesten Forschungsergebnisse beachtet werden.
Das Buch wendet sich an „Fortgeschrittene“, also an Leser:innen, die bereits Kenntnisse über ADHS haben. Wer etwas über das Gehirn, Dopamin, Symptomatik, Diagnostik und Medikamente erfahren möchte, ist hier enttäuscht. Erklärt werden lediglich die drei Subtypen. Das Störungsbild wird als eine „Abweichung in der Verdrahtung des Gehirns“ beschrieben - hübsches Bild.
Das Ziel einer Therapie ist nicht, persönliche Fehler zu bearbeiten. Heilsamer ist es, die Persönlichkeit zu akzeptieren, um mithilfe der besonderen Stärken zu einem zufriedenen
Leben zu finden. Es ist viel von der mutigen, unerschrockenen, authentischen Frau die Rede, die die ADHS in ihr Leben integriert. Häufig wird von Erfolg und erfolgreich sein gesprochen. Hier schimmern offensichtlich „amerikanische“ Vorstellungen durch. Davon fühle ich mich nicht angesprochen, das sind nicht meine Werte.
In den einzelnen Kapiteln geht es u. a. um früher verinnerlichte Botschaften, Maskingverhalten, Scham, Ängste, Verlust der Träume, Veränderung negativer Gedanken, das Recht auf ein Leben mit ADHS, den Mut laut zu sein, sich Unterstützung zu holen.
Die Autorinnen stellen vieles infrage und sie rufen auf, die eigene Identität zu finden, da viele der angewandten Bewältigungsstrategien das wahre Ich verbergen.
Anhand von vielen Fallbeispielen aus der Praxis werden die Symptome verdeutlicht. Was das Buch besonders und damit zum Arbeitsbuch macht, sind Fragen nach jedem Kapitel, entweder zum Ankreuzen oder zum Nachdenken und Niederschreiben. Hier frage ich mich, ob ADHSlerinnen das wirklich anwenden. Es braucht eine gewisse Reflektion mit anderen, um die Antworten zu finden und das ist nicht leicht. Natürlich ist es ein Ziel, dass Frau über sich nachdenken soll. Ich habe Zweifel, dass ungeduldige, schnelle ADHS-Frauen das so machen werden. Mir selbst war es zu anstrengend – diese Seiten habe ich großzügig überschlagen.
In diesem Buch geht es um einen anderen Ansatz mit ADHS. Es ist kein Buch über klassische Strategien. Die Autorinnen möchten von übermäßiger Anpassung und Selbstkritik befreien und hin zur Selbstakzeptanz und zu mehr Selbstbewusstsein führen.
Eine Strategie, die nicht klappt, kann die falsche sein. Es liegt nicht unbedingt an der Frau, die diese anwendet.
Überzeugt bin ich nicht, ob es im Alltag so einfach funktionieren kann. Die Wegbeschreibung erscheint mir zu euphemistisch.
Dafür ist es sehr gut, solche Gedanken überhaupt zu formulieren, mal den Perspektivwechsel vorzunehmen. Hier leistet dieser Titel wirklich hervorragende Arbeit.
Dieses Zitat von Anais Nin, das am Anfang des Buchs steht, hat mich berührt:
„Und es kam der Tag, an dem das Risiko, in einer Knospe verschlossen zu bleiben,
schmerzhafter war als das Risiko, zu erblühen“.
Da ist was dran.
Monika Volkmann