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Willst du nicht wenigstens mal probieren?

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Willst du nicht wenigstens mal probieren?
Fabian Grolimund, Stefanie Rietzler, Illustriert von René Amthor
Verlag
Hogrefe AG, 2024
ISBN-Nummer
978-3-45-686360-3
Preis
15,00 €
Kaufen bei Diana Künne, Pädagogischer Verlag und Buchhandlung

Ein Buch, das Eltern schmeckt

Kinder essen eigentlich nie alles, was auf den Tisch kommt. Aber die „picky eaters“ unter ihnen sind besonders wählerisch und stellen Eltern vor große Herausforderungen. Sie akzeptieren nur wenige Nahrungsmittel und weigern sich beharrlich, anderes zu probieren. Wie kann man damit umgehen?

Zu dieser Frage hat das bekannte Schweizer Autorenduo Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler ein (wieder einmal) großartiges Buch *) geschrieben. „Willst du nicht wenigstens mal probieren?“ ist zur ersten Hälfte ein gereimtes Kinderbuch. Auf jeder Doppelseite erzählen uns drei Strophen, wie Tiereltern sich über tolles Futter freuen: die Mistkäfer über einen dampfend frischen Wildschweinhaufen, die Stadtfüchse über leckeres Gammelfleisch, die Enteneltern über die glitschigen Wegschnecken usw. Eine vierte Strophe beschreibt dann, wie das jeweilige Tierkind sich angeekelt verweigert. Dem gleichen Muster folgen zwei eingeschobene Menschengeschichten, in denen es um Buttercremetorte und Spinat geht. Am Ende jedoch gibt es einen Vollmond-Festtagsschmaus, an dem alle Tiere und Menschen aus dieser Geschichte teilnehmen und jeder was zu futtern findet, wenn auch nicht das, was die Eltern ausgesucht hatten. Das Hyänenkind macht sich begeistert über die Schnecken her, das Fuchsjunge über Omas Buttercremetorte und das kleine Mädchen genießt einen Quallen-Spieß. Die herrlich anschauliche, lustige Bebilderung durch Illustrator René Amthor tut ihr Übriges für ein kindgerechtes (Vor-)Lesevergnügen.

Die zweite Hälfte des Buches richtet sich als Sachtext an Eltern und sonstige Bezugspersonen. Darin informieren die beiden Autoren so knapp wie informativ über das picky eating und seine Ursachen. Zum einen haben Kinder zwischen zwei und vier Jahren üblicherweise eine neophobische Phase, in der sie alles Neue scheuen – eben auch beim Essen. Zum anderen gibt es Kinder, die über diese Phase hinaus extrem wählerisch bleiben, was unter anderem genetische Ursachen zu haben scheint. Eltern geraten durch dieses Phänomen in Stress und befürchten mit Recht, ihr Kind könnte Mangelerscheinungen entwickeln. Trotzdem:

Deine Verantwortung: Du entscheidest, wann und wo gegessen wird und was auf den Tisch kommt.

Die Verantwortung deines Kindes: Es entscheidet, wovon, ob und wie viel es isst.“

Grolimund und Rietzler geben ganz konkrete Tipps, wie man versuchen kann, das Ernährungssprektrum von Kindern zu erweitern. Sie machen jedoch auch klar, dass picky eating Mangelerscheinungen verursachen kann und deswegen der regelmäßige Besuch beim Kinderarzt samt Laboruntersuchungen erforderlich ist, um die richtigen Nahrungsmittel-Ergänzungen feststellen zu lassen. Sie benennen zudem, wann und wo man sich weitere medizinische Hilfe suchen sollte und geben kompakte Basisinformationen zur vermeidend-restriktiven Ernährungsstörung (ARFID) wie auch zur Magersucht (Anorexia nervosa).

Die 17 Seiten Sachtext sind so kompakt wie informativ, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und äußerst hilfreich. Die beiden Autoren verstehen ihr Buch als hilfreiche Anregung, und die vermitteln sie ausgesprochen gut verständlich. Kinderbuch und Elternratgeber in einem – eine perfekte Kombination!

Dipl.-Päd. Detlef Träbert