Zugegeben – als ich das dünne Bändchen mit 95 Seiten Umfang in den Händen hielt und die Vita über Autor/in als Multitasker, Professor für Innere Medizin, Powerfrau, Medizinerin, Coachin las – habe ich gegrinst. Puh, wie aufgeblasen das Ganze, war mein Gedanke.
Aber zugegeben – der Inhalt ist besser als erwartet.
Es geht um 50 Strategien, wie man mit negativen Gefühlen wie Ärger, Frust und Neid umgehen kann.
Die Texte umfassen meist eine Seite und sind kurz und nachvollziehbar erklärt und damit ADHS-geeignet.
Grundsätzlich empfehlen die Autoren, sich mit dem Thema Achtsamkeit und Meditation zu befassen, da unsere innere Haltung darüber entscheidet, wie wir uns fühlen. Wer entspannt und positiv dem Leben gegenüber eingestellt ist, wird auch mit negativen Gefühlen besser umgehen können. Dabei geht es nicht darum, zum Meister zu werden, sondern um Wiederholung und Übung dieser Haltung. Keiner muss sofort perfekt sein.
Das Buch ist in drei Kategorien eingeteilt – Ideen wie man mit Ärger fertig wird, Neid reduziert und Enttäuschung mindert. Zum Schluss gibt es einen Selbsttest, wie glücklich man ist.
Die Tipps sind natürlich sehr unterschiedlich und jede/r Leser/in kann sich an die halten, die ihm/ihr sinnvoll erscheinen. Mir persönlich sind Vorschläge wie Atemübungen, Killer-Mantra, Sport machen oder konstruktiv mit Ärger/Wut umgehen näher als ein scharfes Bonbon zu lutschen, Kickboxen zu lernen oder einen Film über Meere zu sehen. Das mag jede/r für sich herausfinden.
Wie bei allen Ratgeberbüchern sollte man nicht alle Aufgaben gleichzeitig angehen, sondern sich zunächst ein oder zwei Strategien herausgreifen und im Alltag einüben -
und sich selbst Zeit geben. Gerade wir ADHSler/innen verlieren schnell die Geduld und sind dann überzeugt, dass es nicht funktioniert.
Die beiden anderen Teile über Reduktion von Neid und Enttäuschung gehen
an Einstellungen und Gefühle heran. Das verlangt von der Leserin und vom Leser eine innere Auseinandersetzung mit sich selbst und ist nicht so schnell umzusetzen. Es geht darum, sich nicht zu vergleichen, sich nicht zu abhängig zu machen von ehrgeizigen Zielen sowie um Erwartungshaltungen in Beziehungen. All das erfordert auch Ehrlichkeit mit sich selbst.
Der abschließende Teil – der Glücks-Selbsttest - umfasst fünf Fragen zur Lebenseinstellung und ist ein von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) entwickeltes Instrument zur Erfassung des Glücks-Levels. Das mag wissenschaftlich so sein, ich persönlich habe Vorbehalte gegenüber dieser Art von Tests. Erinnern mich diese doch mehr an einen „Brigitte-Test“. Anderseits muss man nicht alles so ernst nehmen …
In dem Buch steht nicht unbedingt nur Neues. Vieles davon kennen wir vielleicht schon.
Macht nichts. Auf jeden Fall finde ich die Tipps kompakt, durchdacht und umsetzbar. Durchaus ein lesenswertes Gebrauchsbuch, das man immer wieder hervorkramen kann.
Es kann spannend sein, zu sehen, was sich verändert, wenn man sich selbst - ein wenig – verändert.
Monika Volkmann